Geschichte des Bosniaken- 1988 - |
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Das Bosniakenpferd - benannt nach dem großen Verbreitungsgebiet dieser Rasse im Herzen Jugoslawiens, Bosniens und der Herzegowina – stammt nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Knochenfunden von dem Tarppanpferd, einem südrussischen Wildpferd, ab. Seit Jahrhunderten ist der Bosniake in einem gut bewaldeten und beweideten Karstgebiet im heutigen Zentraljugoslawien zu Hause, in dem der harte Winter etwa ein halbes Jahr andauert. Als hauptsächlichste Gesteinsarten kommen Kreide, Jura, Triaskalke, Dolomite, aber auch rote Sandsteine und Quarzite vor. Nach diesen Bodenverhältnissen richtet sich auch der Bewuchs: in den Ebenen überwiegend Mais, an den Bergfüßen meist Weinberge, an den Hängen und in den Höhen weit reichende Wälder, vornehmlich bestehend aus Eichen, Eschen, Buchen und Weißbuchen sowie weitläufige kräuterreiche Weiden.
Der Bosniake machte seit Jahrhunderten etwa die Hälfte des gesamten Pferdebestandes in Jugoslawien aus. Um 1900 wurden 240000 Pferde, Esel und Maultiere gezählt, das bedeutete auf je 100 Einwohner etwa 15 Pferde, Esel und Maultiere. In der Neuzeit lassen sich zwei größere Phasen voneinander unterscheiden: Die türkische Besatzungszeit und die Zeit Österreich - Ungarns.
In der türkischen Besatzungszeit wurde die Rasse sehr stark vernachlässigt. Die größeren Besitzungen hielten zwar noch einen besseren Schlag, in den Provinzen aber degenerierte die gesamte Rasse fast vollständig. Die damalige Regierung kümmerte sich überhaupt nicht um die Entwicklung eines rationellen Gestüt- und Beschälwesens. Dazu kamen so gravierende Fehler wie das viel zu frühe Verwenden des Pferdes als Lastentragetiers, die unrationelle, unzureichende Ernährung in den ersten Lebensjahren und Pflegemängel.
Dia österreichisch-ungarische Regierung dagegen versuchte in den letzten zwei Jahrhunderten (18./19. Jh.), die einheimische Rasse durch Beimischung arabischen Blutes zu verbessern. Vor allem um 1900 wurden Originalaraberhengste und -stuten aus Mezöhgjes (Ungarn) und dann direkt aus Arabien importiert. In den tiefer gelegenen Gebieten Bosniens und der Herzegowina wurden zusätzlich englische Pferde stärkeren Schlages eingeführt. Nach 188O wurden der Herzegowina weiterhin fünf Lipizzaner-Hengste zur Hebung der Pferdezucht vom österreichischen Herrscherhaus geschenkt.
Aber alsbald stellten sich auch Experten im Land ein, um die Einrichtung von Beschälstationen und die Hebung der Landespferdezucht zu forcieren. Im Zuge dieser Neuerungen und Organisation des Gestütswesens in Bosnien und der Herzegowina wurden die Beschälstationen eingerichtet, in Mostar (120 km südwestlich von Sarajevo), in Nevesinje (100 km südlich von Sarajevo) und in Konjic (60 km südwestlich von Sarajevo). Diese Stationen waren ausschließlich militärisch organisiert, u.a. ein Grund dafür, dass heute noch diese Pferderasse wegen ihrer Härte beim Militär in Jugoslawien zum Einsatz gebracht wird.
Im Jahre 1884 wurde ein weiteres Hengst-Depot in Sarajevo stationiert, von dem aus Landbeschäler in die Region geschickt wurden. Hieraus entstand dann eine weitere Filiale in Travnik. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde von den Verantwortlichen darauf geachtet, kleinere, für die bosnischen Stuten nicht zu schwere Hengste auszuwählen. Zwei Jahre später züchtete man noch zusätzlich mit Karpaten-Huzulen- Hengsten und mit Eselhengsten, die aus Zypern eingekauft wurden. In den folgenden Jahren wurde die Zahl dieser Hengstgattungen weiter vergrößert.
Um die Jahrhundertwende (1900 wurden etwa 100 Staatshengste (90 Pferde- und 1O Eselhengste) sowie ca. 45OO Zuchtstuten gezählt. In 45 Beschälstationen wurde landesweit gezüchtet. Dennoch konnte auch diese Gestüts- und Beschälorganisation eine gewisse Degeneration des bosnischen Pferdes nicht verhindern, an der u.a. fortwährende Kriege schuld waren, die die Pferdezahl stark verminderten, ebenso wie mangelhafte Behandlung und Fütterung sowie Krankheiten, die durch den Krieg aus fremden Ländern eingeschleppt wurden. Zwischen den beiden Weltkriegen wurden denn vornehmlich Araber zur Zuchtveredlung verwendet, neben den urwüchsigen und angestammten Bosniakenhengsten, ein Unterfangen, das bis auf wenige Unterbrechungen bis heute andauert. Ob diese Zuchtveredlung durch reinrassige Araber allerdings langfristig den gewünschten Erfolg verspricht und sich dieser auch einstellt, mag dahingestellt bleiben.
Tatsache war und ist, dass zum großen Teil reinrassige Bosniaken zu den tragfähigsten und leistungsstärksten Pferden gehörten, die im damaligen Distanzreitsport eingesetzt waren. Da ritt ein etwa 70 kg schwerer Bote während des Krieges von Sarajevo nach Mostar (ca. 100 km) binnen 24 Stunden hin und zurück, ohne dass dem Pferd etwas anzumerken war. Von einem Distanzritt von Bihac (300 km nordwestlich von Sarajevo) nach Sarajevo am 25. Juli 1893 wurde berichtet, dass neben den Staatshengsten (6) mit teilweise arabischem Blut vier Bosniakenwallache diese Strecke ohne große Ausfälle meistern konnten. Gestartet waren 24 reine Bosniaken und 20 ihrer Kreuzungsprodukte mit Staatshengsten. Die vorgegebene Strecke schaffte der Sieger in 3O Stunden, 26 Minuten und 30 Sekunden.
Die einfache Lebensweise und der vielfache Einsatz als Gebirgs- und Bergsteigerpferd haben dieser Rasse immer schon einen sicheren Tritt bewahrt, auch unter großen Lasten. Seine Höhe (Stockmaß) schwankte zwischen 120 und 135 cm, selten war ein Stockmaß von 150 cm, der Kopf meistens klein und trocken, der Hals kurz, der Widerrist mäßig entwickelt, der Rücken kräftig, kurz und gespannt, die Kruppe oft steil abfallend, die Brust tief und breit, langhaarig, mit langem, buschigen Schweif, hart durchtretende Fesseln, hohe und freie Gänge, die Behaarung überall dicht und stark. Vorherrschend kamen Braune, Rappen, Schimmel und nicht selten auch Füchse vor.
Das Pferd wurde Sommer und Winter im Freien gehalten und zeichnete sich durch eine eiserne Konstitution und Kondition aus. Besondere Anwendung fand es als Gebirgs- und Tragepferd des Militärs und als Zugtier in der Landwirtschaft.
Der Bosniake nach dem 2. Weltkrieg
Als nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in den 60er Jahren, sehr viele Pferde aus dem Staatsgestüt und vor allem aus dem Landschlag aus Bosnien und der Herzegowina in westeuropäische Länder waggonweise verkauft worden waren, hat man in den 7Oer Jahren festgestellt, dass die hervorragende Qualität der Bosniakenzucht im Aussterben begriffen war.
Nun versucht man, durch eine Neuorganisation die Situation für das Bosnische Pferd in Jugoslawien deutlich zu verbessern. Vornehmlich dadurch, dass viele Angelegenheiten der Pferdezucht im Lande staatlich reglementiert und konzentriert werden. So wurden alle Landgestüte, die früher auch Borike, dem Staatsgestüt, unterstellt waren, aufgelöst. Das letzte noch existierende in Bihac steht vor der Schließung.
Alle Zucht- und Exportvorgänge, sofern es diese überhaupt noch geben soll oder gibt, sollen über das Staatsgestüt »Ergela Borike« laufen. Dort arbeitet eine kleine Crew von zwei Direktoren (ein Gestütsdirektor und ein Verwaltungsdirektor, der gleichzeitig Stellvertreter des Gestütsdirektors ist), denen wiederum zehn Angestellte bzw. Mitarbeiter unterstellt sind, die für Heu und sonstige Futtermittelgewinnung zuständig sind; zwei Angestellte von diesen zehn werden als Pferdewarte eingesetzt, jeweils im Wechsel. Der Direktor des Gestüts, Ibrahim Osmanovic, ist noch ein sehr junger Mann und scheint stark an der Verbreitung besten bosnischen Pferdematerials interessiert zu sein. In Borike, etwa 100 km nordöstlich von Sarajevo gelegen, decken heute vier reinrassige Bosniakenhengste und vier vorzügliche reine Araberhengste (die Araberzucht der Jugoslawen in Borike ist etwa 90 Jahre alt und zählt zu den qualitätsvollen Vollblutaraberzuchten Europas). Die vier Spitzenbosniakenhengste stammen aus zwei unterschiedlichen Blutlinien: Es stehen zwei Hengste (13 und 5 Jahre alt) aus der Barut-Linie und zwei Hengste (11 und 5 Jahre alt) aus der Misko-Linie zur Verfügung. Diese Hengste werden nur für ca. zehn Spitzenzuchtstuten, die heute im Gestüt vorhanden sind, zur qualitätsvollen Weiterentwicklung der Bosniakenzucht benützt.
Es hat in den 70er Jahren einen weiteren Hengst aus Velez gegeben, der sich aber in der Vererbung nicht bewährt hat und deshalb aus der Zucht herausgenommen wurde.
Zuchtziel der Bosniaken ist vor allen Dingen: Temperament, das man durch gezielten punktuellen Einsatz von ausgezeichneten Araberhengsten erreichen will; dazu kommen dann Qualitäten wie Härte und sehr feste Beine. Als Stockmaß wird eine Zahl um 147/148 cm, also an der Grenze zum Großpferd liegend, angegeben.
Die Decksaison für die Bosniakenhengste erstreckt sich auf die Monate Mai und Juni, so dass die Fohlen etwa in den Monaten April und Mai auf die Welt kommen. Ab April ist es meist schon angenehm warm, trotz der Höhenlage von ca. 1000 m in den Bosnischen Gebirgszügen, so dass für Leib und Leben der Fohlen keine gesundheitliche Gefahr aufgrund des rauhen Klimas besteht.
Die Zuchtordnung kennt im Prinzip nur eine Regel, die darin besteht, dass die Fohlen sechs Monate bei der Stute belassen werden und dann etwa 10 Tage vor dem Absetzen den Fohlenbrand erhalten (ein großes "B" mit der entsprechenden Geburtsnummer auf der linken Sattellage und auf der rechten mit "B H" für Boomen und Herzegowina).
Die Hengsthaltung, allerdings nur die der Spitzenhengste, geschieht in ähnlicher Weise wie in Deutschland. Das Stallgebäude hat auf der linken Seite vier große geräumige Boxen aus Vollholz für die Bosniakenhengste sowie auf der rechten Seite ebenso große und viele Boxen für die Araberhengste. Gefüttert werden diese Tiere dreimal täglich; gegeben wird Heu, Hafer und Mais. In der Abendzeit gegen 23 Uhr bekommen diese Tiere eine Nachtmahlzeit in Form von Rauhfutter, um die Nacht über ein wenig beschäftigt zu sein.
Die Herde der Stuten, die heute etwa 80 Tiere umfasst, bleibt in der schneefreien Zeit, also von April bis November, auf den großen, kaum eingezäunten Weiden. Für diese Stuten gibt es im Sommer eine zusätzliche Mahlzeit in Form von Heu und ein wenig Hafer. Im Winter befinden sich diese Stuten in den vorgesehenen Ställen, kommen aber 3 bis 4 Stunden pro Tag heraus auf die schneebedeckten Weiden. Sie erhalten dann drei normale Mahlzeiten, bestehend aus Heu, Hafer und Mais und für die Nacht eine weitere Portion Rauhfutter.
Die Stuten werden frühestens mit drei Jahren verkauft, während die Hengste, die das dritte Lebensjahr erreicht haben, dann für vier Jahre aufs Land zu Privatzüchtern oder Bauern gegeben werden, um hier zum Decken eingesetzt zu werden. Nach diesen vier Jahren gehen dann die Hengste ohne große Unkosten in diese private Züchterhand über. Falls dieser Hengst dort nicht weiter gebraucht wird, kommt er zurück nach Borike. Man will damit erreichen, dass erste Qualität sich auch auf dem Lande wieder stärker durchsetzen kann.
Die Exporte werden grundsätzlich in Absprache mit dem agrarwissenschaftlichen Fakultät bzw. dem dortigen zuständigen Professor in Belgrad abgestimmt, so dass der Direktor in Borike nicht autonom über die Preise des Spitzenzuchtmaterials verhandeln kann, sondern an die von dem jeweiligen Professor, der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Belgrad festgesetzten Preisforderungen gebunden ist, die etwa den Preisvorstellungen in Deutschland für hervorragendes Kleinpferdmaterial entsprechen.
Die Trainingsmöglichkeiten für die Araber und die Bosniaken sehen so aus, dass die Pferde für die Staatsgalopprennen, die regelmäßig in Sarajevo stattfinden, trainiert werden müssen. Es gibt bei diesen Rennen sowohl eine Klasse für Araber als auch eine für Bosniaken.
Die Pferde, die bei späteren Schauen oder Ausstellungen vorgestellt werden sollen, werden alle in eine Vorbereitungszeit genommen, in der dann vornehmlich die drei Grundgangarten und das Bewegen unter dem Sattel geübt und einstudiert werden. Diese Schauen finden ebenfalls in regelmäßigen Abständen statt, und zwar in dem in 18 km entfernt im Tal liegenden Ort Rogatica (ca. 70 km östlich von Sarajevo). Diese Schauen werden nach ähnlichen Regeln abgehalten wie bei uns in Deutschland. Die Prämiierung erfolgt für die Jährlinge, für die Hengste und die Stuten mit Fohlen. Alle Pferde, die ein Stockmaß von mehr als 148 cm erreichen, werden von der Zucht ausgeschlossen, weil sie als nicht mehr reinrassig gelten.
Die Bosnischen Pferde werden in der Hauptsache als Pack- und Tragpferde eingesetzt. Distanzsport in unserem westeuropäischen Sinn wird nur im Gestüt bzw. von Außenstationen zurück ins Gestüt betrieben. Geritten werden zum großen Teil nur die Araber, die im Gestüt untergebracht sind, sowie ausgewählte Bosniakenhengste.
Im übrigen gibt es auf dem Gestütsgelände ein Stallgebäude, in dem zwei weniger qualitätsvolle Bosniakenhengste (aus der Misko- und Barutlinie) stehen, die sieben und acht Jahre alt sind, sowie fünf Araber, teilweise auch Stuten, die gegen einen Obulus von 400 Dinar (umgerechnet 2 DM) für eine Stunde im Gelände geritten werden können: in einem Gelände, das etwa 400 Hektar als Gestütsgelände umfasst, wobei ein nicht unbeachtlicher Teil Waldfläche darstellt. Ansonsten haben wir sehr viele große weitläufige Weiden, die extensiv genutzt werden, angetroffen. Viele weitere Flächen dienen ausschließlich der Heugewinnung und werden entsprechend gedüngt. Die übrigen Weiden werden nicht gedüngt, sondern nur einmal jährlich abgeschleppt.
Krankheiten, z. B. Ekzeme, Erkrankungen der Atmungsorgane oder Bein- und Gelenkerkrankungen kommen nicht vor.
Die Entwicklung und Verbreitung der Bosnischen Gebirgspferde in der Bundesrepublik
In den 60er Jahren wurden sehr viele Bosnische Gebirgspferde in die Bundesrepublik importiert, vornehmlich in den Südwesten und Nordosten. Im Rheinland dagegen züchtete u.a. Dr. Kuhn selbst diese Pferderasse mit einem Misko-Hengst, dessen Nachkommen zum allergrößten Teil als Reitponys in das Rheinische Pferdestammbuch eingetragen wurden, eine Zahl, die heute leider nicht mehr ganz genau zu ermitteln ist. Hinzu kommen viele Bosniake-Arabermischungen, vornehmlich in Baden-Württemberg und Norddeutschland sowie einige Bosniaken-Dülmener-Kreuzungen.
In dieser Zeit wurde auch eine Interessengemeinschaft des Bosnischen Pferdes in Deutschland gegründet, die allerdings nie ins Vereinsregister eingetragen wurde und bald wieder die Arbeit einstellte mangels Beteiligung der Gründungsmitglieder.
Nach dem Tode von Dr. Kuhn, Kleve, schlief auch die Bosniakennachzucht in Deutschland beinahe gänzlich ein, zumal der letzte Misko-Hengst vor ca. 4 Jahren eingeschläfert werden musste.
Im Juli 1986 wurde dann auf Initiative mehrerer langjähriger Distanzreiter die „Gesellschaft der Freunde, Förderer und Züchter des Bosnischen Pferdes e. V.“ gegründet mit Sitz in 5307 Wachtberg-Pech. Der Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, dass das reinrassige bosnische Gebirgspferd in Deutschland erhalten bleibt und nicht ausstirbt. Zum anderen will er dafür Sorge tragen, dass der ursprüngliche Typ dieser Pferderasse erhalten bleibt (bis ca. Stm. von 145 cm). Denn in Jugoslawien wird heute nach der Vereinseinschätzung wiederum der Fehler gemacht, ein Stockmaß von 148 cm bei Stuten und Hengsten zu erreichen durch Kreuzung mit Arabern. Und damit, das hat die Geschichte der Pferdezucht schon mehrfach gezeigt, geht der urtümliche Charakter dieser Kleinpferderasse nahezu gänzlich verloren.
Im Jahr 1987 ist es dann gelungen, die letzten beiden Hengste der Barut-Linie, in Deutschland gezogen von E. Allgeier, aus der alten Zuchtlinie des kleineren Bosnischen Pferdes (Mutter Barka, Vater Barut 2147), aufzutun. Barut I (1984) wurde im November 1987 vom Zuchtverband für Deutsche Pferde (mit bundesweiter Anerkennung der Nachzucht) mit der Note "7" gekört. Auf der linken Halsseite trägt er den Brand des
Zuchtverbandes, auf dem rechten Hinterschenkel das Brandzeichen der Bosniaken in Deutschland:
Dieser Hengst sowie sein Bruder Barut II (1985) sind stationiert auf dem Bosniakengestüt Hainbuchenhof in 5307 Wachtberg-Pech, dem wohl einzigen Gestüt, welches den ursprünglichen Typ weiterzüchten möchte.
Neben diesen beiden Hengsten stehen zwei dreizehnjährige Misko-Stuten, im Rheinland gezogen, und vier Barut-Stuten, 5, 13 und 14 Jahre alt sowie eine Originalstute, aus Jugoslawien stammend, 20 Jahre alt, zur weiteren Zucht zur Verfügung. Die ersten Fohlen wurden im Juli 1988 geboren.
Momentan züchtet auch der Zuchtwart des Vereins, Friedhelm Theisen, ein bekannter deutscher Distanzreiter auf Bosniaken. Er gehört mit zur Aktivenriege des Vereins und ist bestrebt, folgende Eigenschaften und Charaktereigenarten dieser Pferderasse zu fördern:
Rassenbeschreibung:
Allgemeiner Charakter:
zuverlässiges, kleines, leistungsfähiges Berg-, Trag- und Distanzpferd, gekennzeichnet durch Genügsamkeit, Ausdauer, Regenerationsfähigkeit, Robustheit und Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen extreme Kälte wie Hitze. Im Wesen hart, ausdauernd, anspruchslos, von fester Gesundheit, trittsicher auch in extremem Gelände unter schwerer Belastung; gehorsam und einsatzwillig; temperamentvoll, aber ausgeglichen; instinktsicher mit gutem Orientierungssinn; intelligent und anhänglich; als Kinderreitpony nur bei solider Ausbildung geeignet.
Größe: 128-148 cm Stm.
Farbe: Meist braun bis dunkelbraun, aber auch Füchse, Schimmel und Rappen; keine Schecken; kaum Abzeichen.
Kopf: ausgeprägter Ponykopf mit geradem Nasenrücken, ziemlich breite Stirn, ausgeprägte Nüstern.
Augen: groß, klar, lebhaft, dunkel, klug blickend.
Ohren: mittelgroß, zuweilen groß, hochangesetzt.
Hals: ausgewogen, kräftig, mittellang.
Brust: tief, gute Rippenvollendung.
Schulter: gut gelagert, schräg.
Rücken: tragstark, mittellang mit muskulöser Nieren- und Lendenpartie.
Kruppe: waagerecht oder leicht schräg abfallend mit tief angesetztem stark behaartem Schweif; ansonsten üppiger Behang.
Rumpf: guter, starker Knochenbau, möglichst breit gebaut.
Gliedmaßen: kräftig mit kurzen Röhrenknochen. Umfang bis 18,0 cm, deutlich markierte Sehnen und Gelenke;
Hufe: klein, fest, eisenhart und gut geformt; weniger erwünscht sind Tellerhufe.
Gangarten: Grundgangarten, harmonischer Schritt und Trab, gute Galoppaden.
Aktion: Die Bewegungen sind leicht, sicher, viel Boden deckend, mit entsprechendem Schub aus der Hinterhand.
Gewicht: der Größe des Tieres angemessen.
Mit dieser Darstellung wird auch der Rahmen für die Zuchtziele der Bosnischen Gebirgspferde in Deutschland abgesteckt.
Der erste größere Auftritt mehrerer Bosniaken erfolgte auf der Equitana 1987 in Essen: 10 Reiter waren mit ihren Pferden die letzte Etappe des VFD- Sternrittes zur größten Schau rund ums Pferd von Düsseldorf/Ratingen nach Essen zur Eröffnungsveranstaltung am 11. März 1987 unterwegs, um gemeinsam gegen 11.00 Uhr in den großen Ring einzutreten.
Zu einem weiteren Stelldichein Bosnischer Gebirgspferde lud die Gesellschaft der Freunde, Förderer und Züchter am 12. Juli 1987 nach Ratingen auf die Reitanlage der Gebrüder Brügelmann, Gut Neudeller Hof, ein. Die wohl größte Gruppe aller präsentierter Reit- und Freizeitpferde machten die Bosniaken aus, in den letzten 15 Jahren die zahlenmäßig umfassendste Darstellung dieser Rasse in einer Region in Deutschland. 18 Pferde ganz unterschiedlicher Herkunft und Einsatzes wurden unter dem Sattel bzw. an der Hand gezeigt: Vom reinen Wander- und Freizeitpferd über Western-, Kinderreitschulpferde bis hin zum Distanzsportpferd. Außergewöhnlich: Das erste seit mindestens 10 Jahren in Deutschland gezogene Hengstfohlen wurde bei Fuß gezeigt.
Hier zeigt sich die gesamte Bandbreite des Einsatzes dieser Pferderasse: Ausdauernde, anspruchslose Kleinpferde, die treu und zuverlässig ihren „Dienst“ tun. So berichten es u. a. E. Schmitz, Schönecken, von ihrem Wallach IBN, geb. 1975, Stm. 145, Freizeit- und Distanzsportpferd mit Westerngrundausbildung; A. Wenk, Rotenburg, von seiner Flocke, geb. 1967, Stm. 142, von der Tochter Rosi, geb. 1971, Stm. 142 und ihrem Sohn Wotan, geb. 1973, Stm. 148, Freizeit- und Wanderpferde; A. Irsigler, Weissach, von ihrer Flicka, geb. 1971, im Einsatz als Springpony und bei Reiterwettbewerben; Familie Lietmann, Wuppertal, von ihren beiden Bosniakenstuten Medina, geb. 1973, Stm. 138 und Sandra, geb. 1973, 135, beide als reine Freizeitpferde geritten! R. Kobow, Mühltal 3, mit Max und Moritz, spricht von achtzehnjähriger Treue, Liebe, Höhen und Tiefen und überwiegender Glückseligkeit; W. Meyer, Bonn, von seiner Stute Bella, geb. 1982, Stm. 137, reine Landschlagstute, als reines Freizeitpferd geritten.
Weiterhin befinden sich im Kinderreitunterricht diese Pferde auf dem Reiterhof St. Georg, Niederwörresbach, die heute allerdings nicht mehr reinrassig nachzüchten, und in der Kinderreitschule Pech, Wachtberg.
Ein breiteres – wenn auch speziell interessiertes – Publikum erreichen die teilnehmenden Bosniaken auf Distanzritten:
P. Winzen, auf dem Wallach Banjo, geb. 1978, Halbbruder von IBN, Stm. 145, war u. a. 21. auf der Deutschen Meisterschaft der Distanzreiter 1986. Er wird meist in den rheinischen Wettbewerben dieser Sportart unter den ersten 10 plaziert.
Ch. Hainbuch, auf Darinka oder Tara, Halbschwestern, geb. 1973 und 1974, Stm. 137 bzw. 135, bei Distanzritten meist unter den ersten zehn Platzierten.
H. E. Malsbenden auf Jowanka (17 Jahre alt) ritt bisher mit dieser reinen Bosniakenstute nahezu 2000 km in den Jahren 1982-1986 bei Distanzritten: Im Rheinland erreichte er stets einen Platz unter den ersten fünf, in NRW-Geltung die Plätze 7 und 1983 sogar Platz 1, und auf den Deutschen Meisterschaften der DDR-Reiter Platz 18 (1986).
Friedhelm Theisen auf Dunja war dessen ständiger Mittreiter und muss heute als Zuchtwart der Gesellschaft als einer der engagiertesten Bosniakenreiter der BRD bezeichnet werden. Er erreichte mit seinem Pferd ebenfalls bei Distanzritten in der rheinischen Meisterschaft 3.-6. Plätze in den Jahren 1982-1987, auf NRW-Ebene zweimal 3. Plätze, einmal 9. und einmal den 6. Platz, sowie bei der DM der Distanzreiter 1986 den 18. Platz, 1987 sogar den 8. Platz!
Sein Sohn Martin Theisen auf Dachs, ebenfalls immer unter den ersten 10, im Rheinland 1983 und 1984 sogar Zweiter, in NRW-Ebene bis auf das Jahr 1986 auch immer unter den ersten 10 Platzierten dabei. Alle drei genannten Pferde befinden sich im Besitz Friedhelm Theisens, Düsseldorf, und dürften inzwischen auf die 3000 km-Marke bei Distanzritten nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch im benachbarten Ausland zusteuern. Beispielsweise gewannen sie den 150-km-Ritt von Spa/Belgien im Jahre 1986, einer der gefürchtetsten Distanzritte außerhalb der BRD – wegen des steinigen und bergigen Geläufs in den Ardennen. Und eines hat sich herausgestellt: Bislang ist kein Bosniake wegen Satteldrucks oder zu hoher Puls-/Atemwerte bei Distanzritten in den 80er Jahren ausgefallen. Ein Beweis für Leistungswilligkeit und Ausdauer dieser Pferderasse.
U. Schmitt, Bodenteich, auf Pinnochio, geb. 1965, Stm. 136, eines der bekanntesten Kleinpferde auf Distanzritten in der BRD zwischen 1975 und 1980. Es gewann u. a. den Konditionspreis auf dem 1000-km-Ritt Hamburg-München und dem 100-Meiler von Pussade/Göhrde. Ein Pferd, das nie ausgefallen ist und heute noch mit Westernausbildung im Freizeitsport geritten wird.
Stuten vom so genannten Landschlag – also nicht aus dem Staatsgestüt Borike stammend, sondern aus dem Inneren des Landes – werden z. Zt. noch von Reinhard Schulze, Dannenbüttel, importiert. Diese Tiere, allerdings ohne Papiere, erfreuen sich als reine Fahrpferde vor allem in Norddeutschland großer Beliebtheit, ohne dass die Käufer in jedem Fall wissen, dass es sich um reinrassige Bosnische Gebirgspferde handelt.
Dieser Text erschien in "Deutschlands beste Ponys" im L. B. Ahnert-Verlag. Wir danken an dieser Stelle dem Autor Dr. Friedrich Hainbuch.