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Was Bosniaken wollen…..

- Juni 2009 -

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein Pferd zu kaufen und einen Bosniaken in Erwägung ziehen, dann sollten Sie wissen, welche Anforderungen dieser an Sie stellt.

Manche Dinge sind ihm völlig egal. Ob Ihr Outfit dem neuesten Trend entspricht oder ob Sie in ihren ältesten Klamotten reiten, kümmert ihn nicht die Bohne. Die meisten Bossis tragen Sie auch willig durch die Gegend, wenn Ihr Gewicht höher ist als das von Paris Hilton und Co. Bosniaken sind so genannten Gewichtsträger und wurden in ihrer Heimat mit Lasten fertig, die Sie nie und nimmer auf die Waage bringen werden.

Sie sollten allerdings Zeit für ihn haben. Auf Sonntagsreiter reagiert er nicht gut. Sein Bewegungsdrang ist groß. Diese Pferde wollen laufen und etwas tun. Vom Rumstehen werden sie dick und aufsässig. Sie werden dann wenig Freude an Ihrem Pony haben. Wenn Sie aber gerne täglich im Gelände unterwegs sind, Freude an Quer-Feld-Ein-Ritten und kniffligen Aufgaben haben, dann sind Sie mit ihm gut bedient. Bosniaken lieben Abwechslung und sind Traumpartner auf Wanderritten. Galopper  sind sie eher nicht, wobei sie gegen einen flotten Galopp nichts einzuwenden haben. Ihre Paradedisziplin ist jedoch der Trab. Trittsicher und ausdauernd, bequem zu sitzen, kurz gesagt: Es macht einfach nur Spaß.

Neben „Auslauf“ im Gelände profitiert auch der Bosniake von der Gymnastizierung bei der Dressur. Biegen und Stellen hält ihn beweglich und gesund. Von Natur aus neigt er dazu, einen imponierenden Unterhals zu entwickeln. In Verbindung mit seinem „Dickkopf“ kann das dazu führen, dass Sie öfter mal eher da landen, wo ER hin will als da, wo SIE hin wollen.

Natürlich springt auch der Bosniake hin und wieder. Wenn er das gerade für erstrebenswert erachtet. Von einigen Ausnahmen abgesehen ist er jedoch nicht unbedingt geeignet für hohe Hindernisse. Sollten Sie Ludger Beerbaum Konkurrenz machen wollen, dann suchen Sie sich ein anderes Pferd. 

Bosniaken sind gelehrig und klug. Das ist sowohl gut als auch schlecht. Sie können ihm viel beibringen, aber bringen Sie ihn mal dazu, etwas zu vergessen….. Was ganz vorteilhaft wäre, wenn er gelernt hat, wie man das Weidetor aufmacht. Es bleibt Ihnen dann nichts Anderes übrig, als das System zu ändern. – bis zum nächsten Mal…. Man kann es sich aber durchaus zu Nutze machen. Üben Sie für die GHP und staunen Sie, wie schnell sich Ihr Pony mit Planen, Schirmen, Bällen etc anfreundet. Passen Sie aber bitte auf, dass er nicht Alles auffrisst..

Die bevorzugte Haltung des Bosniaken heißt 24 Stunden Weide, wenn man ihn fragt. Sie sollten das aber nicht tun. Es sei denn, Sie lieben kranke, überfressene Tonnenpferde. Oder Sie sind glücklicher Besitzer/Pächter einer riesigen Magerweide, dann dürfen Sie diesem Bedürfnis ruhig nachgeben. Alle Anderen müssen zwischen Grün/Paddock/Box eine vernünftige Balance finden. Optimal ist für ihn ein abwechslungsreich gestalteter Offenstall. Es wäre schön, wenn der Bosniake auch im Winter die Gelegenheit hat, täglich ein Stündchen Gras zu knabbern. Er dankt es Ihnen mit viel besserer Laune. Besteht Ihr Angebot an ihn aus reiner Boxenhaltung, lassen Sie lieber die Finger davon. Sie würden beide nicht glücklich.

Bosniaken sind gelehrig und klug. Ich weiß, das sagte ich bereits. Aber man kann es nicht oft genug betonen. Es bedeutet nämlich auch, dass er an Ihr Verhalten im Umgang mit ihm besondere Anforderungen stellt. Er stellt gerne die Chef-Frage! Und die sollten Sie immer gleich beantworten. Bosniaken brauchen keine harte Hand, aber konsequente Führung. Sie sollten wissen, was Sie wollen. Und wissen, wie Sie das durchsetzen. Kein Bosniake, den ich kenne, eignet sich für Menschen, die ein Problem damit haben, Autorität auszustrahlen. Mit ruhigen, sanften klaren Anweisungen kommt man sehr weit, sowohl bei der Ausbildung als auch beim täglichen Umgang. Ausraster sollten Sie vermeiden, die nimmt er sowieso nicht ernst. Ein energisches NEIN versteht er besser und das reicht meistens auch, wenn er merkt, dass sie es ernst meinen.   

Boniaken sind kinderfreundlich, trotzdem eigenen sie sich nicht als reine Kinderponys. Ständiges „Tütteln“ und Verwöhnen  verderben den Charakter schnell. Leckerlis als Belohnung für Leistung sind in Ordnung. Da Fressen ihr Schönstes ist, lernen sie sehr schnell, wenn sie wissen, dass eine leckere Portion auf sie wartet, wenn sie tun, was sie sollen. Stopft man sie vorsorglich als Bestechung voll, dann erzieht man sich schnell einen aufdringlichen Bettler, der gerne auch mal kneift, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wenn Sie also ein Pony für Ihr Kind suchen, sollten Sie nur dann einen Bosniaken nehmen, wenn Ihr Kind verantwortungsvoll ist und Sie bereit sind, sich ebenfalls um das Tier zu kümmern. Vorteilhaft ist natürlich, dass die beiden auch zusammenbleiben können, wenn das Kind ausgewachsen ist.

Petra Leckler